NIEGELNAGELNEUE PERSPEKTIVEN

Neulich habe ich an einem Netzwerktreffen teilgenommen - selbstredend online. Wir waren aufgefordert, es uns zuhause schön weihnachtlich zu machen mit Tee oder Wein und allem, was für uns dazu gehört. Da ist mir (wieder einmal) bewusst geworden, was dieses Jahr oft still und heimlich, meist laut und reißerisch, mit uns getan hat. Wir versuchen, auf allen Ebenen und mit allen Mitteln, die menschliche Verbindung aufrecht zu erhalten. Und doch repräsentiert 2020 ein Jahr der Abstandnehmens.. Es wird schwieriger, aufeinander zu zugehen und alle technischen Hilfsmittel können nur Placebos sein. Immerhin...

 

Während des Online-Treffens fragte uns die Moderatorin,  wie wir dieses Jahr unsere Weihnachtsfeiertage verbringen würden: vor dem Baum, in der Familie, beim Essen oder vielleicht beim Weihnachtsputzen? Ok, ich gestehe, ich bin generell eher kein "Weihnachtsfan". Früher stand manchmal über Weihnachten und Neujahr eine Reise ans andere Ende der Welt an, um dem typischen Weihnachtsrummel - und dem schlechten Wetter zu entkommen. Das ist dieses Jahr natürlich keine Option. Was also dann? 

 

Was ich auch immer gern in dieser Zeit des Jahres gemacht habe, ist gründliches Aufräumen. Es ging mir dabei weder darum, einfach ein paar Gegenstände beiseite zu räumen, noch darum, durch radikales Ausmisten einen Minimalismus in meinen Räumen zu gestalten - für den ich einfach nicht geschaffen bin.

Aber: Gezieltes Aufräumen und Ausmisten gehören zu den wohl bekanntesten, wenngleich nicht beliebtesten Maßnahmen für ein gutes Feng Shui. Sie sind ungemein wichtig, man könnte sagen, sie sind eine Grundvoraussetzung. Sie können die schönsten Gegenstände zur Aktivierung eines bestimmten Themas in Räumen aufstellen,. In überladenen Räumen werden sie definitiv ihre volle Wirkung nicht entfalten können!

 

Es gibt unzählige Tipps, wie man richtig aufräumt, so dass es auch länger als bis zum nächsten Tag anhält. Einer der wichtigsten ist sicher, dass man akzeptiert, dass nicht alles auf einmal gemacht werden kann! Das führt unweigerlich zu Überforderung und Frust.

 

Man sollte außerdem in Kauf nehmen, dass es während des Aufräumens viel fürchterlicher aussieht als zuvor. Dann nämlich, wenn unzählige Dinge vorübergehend überall aufeinandergestapelt auf jeder ehemals freien Fläche herum liegen. Ich nenne es eine organisatorische Erstverschlimmerung, die leider unerlässlich ist, bevor wir neu strukturieren können.

 

Der nächste Schritt ist, sich zu überlegen, was man nicht mehr braucht und möchte, und welche unvollendeten Projekte es verdient haben, zu Ende geführt zu werden oder eben nicht. Bleiben sollten nur die  Dinge, die uns noch dienlich sind, die wir mögen und mit denen wir etwas Positives verbinden. Das klingt nun doch radikal - und ist es auch ein wenig. Auch mir fällt es hin und wieder schwer, mich von etwas zu trennen, dass ich bislang aus welchen Beweggründen auch immer behalten habe. Aber: Nur, wenn etwas gehen darf, entsteht Platz für Neues. Das ist ein Naturgesetz, ob wir nun damit einverstanden sind oder nicht.

 

Mir scheint, das gesamte Jahr 2020 ist für sehr viele Menschen ein Prozess des persönlichen und beruflichen Ausmistens mit heftigen, schmerzhaften und unerwarteten Erstverschlimmerungen. Viele Stapel von Unerledigtem,  Angestaubtem, Unnützem, unerfreulichen Erkenntnissen und Einblicken sind in diesem Jahr präsent gewesen und sind es noch immer. Aber nach der Erstverschlimmerung kommt ebenso unweigerlich eine neue Struktur und Klarheit. Wenn Sorgen, Ängste und Wut gehen - so meine Hoffnung - dann entsteht mehr Platz für Ruhe, Gelassenheit, Reflexion, Toleranz und Vernunft auch im gesellschaftlichen Miteinander. Ich plane bewusst diesen Aufräum-Endspurt 2020. Haben Sie Lust, es auch zu tun?

 

Ich wünsche Ihnen allen wunderschöne Weihnachten und ganz und gar neue Perspektiven für 2021!

Herzlichst, 

Christiane Küster-Schneider